Tour de Flönz 2022 – Etappe 10

Mehr oder weniger flach

Gestern war Ruhetag. Ein Besuch der größten Stadt der näheren Umgebung stand an. Tarbes liegt 25 Kilometer nördlich von Bagnères-de-Bigorre und zählt etwa 42.500 Einwohner. 

Heute fahre ich östlich an der Stadt vorbei. Eine Flachetappe steht an, wenn sowas hier überhaupt möglich ist. Die Region ist sehr landwirtschaftlich geprägt mit zahlreichen winzigen Dörfern, die kaum mehr als ein paar Häuser zählen. Sanfte Hügel, die es gelegentlich zu überwinden gilt, geben immer wieder tolle Ausblicke auf die imposante Bergkette der Pyrenäen frei. 

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Tour de Flönz 2022 – Etappe 9

Col du Tourmalet und der Zufall

Wenn ein Monument des Radsports bezwungen ist, startet der Akteur des Vortages zufrieden mit einem Cappuccino in den Tag. Das geschieht selbstverständlich nicht unter 1000 Meter Höhe. So wird als Ziel des Heißgetränkes „Ô Chiroulet“ im Lesponne-Tal auserkoren, ein Gasthof am Ende einer 10 km langen Sackgasse. 500 Höhenmeter sind zu überwinden.

Am Nachbartisch fachsimpeln vier französische Radsportler, wer gerade den schlechtesten Kaffee hatte. So jedenfalls meine Vermutung, denn nur die rasante Abfahrt tröstet mich über das elende Gesöff hinweg. Vermutlich wäre eine exzellente Zeit möglich gewesen. Gebremst werde ich jedoch von einem Straßenrand-Schneidegerät, auch Schmetterlingsvernichtungsmaschine genannt. Der Verkehr staut sich kurz, bis die Fahrt fortgesetzt werden kann. Das schöne an Abfahrten im Hochgebirge ist, dass die Autos langsamer sind. Alle werden ergo mit einem dankenden Kopfnicken auf zwei Rädern überholt.

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Tour de Flönz 2022 – Etappe 8

Wo ist der „Géant du Tourmalet?“

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Abfahrt um 7.24 Uhr.

Der kühle Morgen mit moderaten Temperaturen bis zur Mittagszeit ist ein guter Grund für eine größere Runde. 

Nicht weniger als der Col du Tourmalet steht auf dem Programm. Keine andere Passstraße wurde im Programm der Tour de France häufiger überquert. Bis heute über 80 Mal. Es fing im Jahr 1910 alles an. Der Luxemburger Alphonse Steinès telegraphierte damals an Henri Desgrange: „Bin gut über den Tourmalet gekommen. Stop. Straße in gutem Zustand. Stop. Keine Schwierigkeiten für die Fahrer.“ In Wahrheit war es damals nicht mehr als ein Pfad, der über die Passhöhe führte. Es lebten zudem Bären in den Pyrenäen. 

Wer weiß, wann der Hochgebirgspass ohne diese Nachricht in das Programm der Tour de France aufgenommen worden wäre. Sicherlich hätte man 1913 nicht erlebt, wie Eugène Christophe mit einer gebrochenen Fahrradgabel nach Sainte-Marie-de-Campan marschierte und sie in einer Schmiede reparierte. Genau in diesem Ort biege ich von der Talstraße nach rechts ab und der Anstieg beginnt. Ein paar Zahlen: Länge 17,1 km, 1270 Höhenmeter, 7,4 % durchschnittliche Steigung. 

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Tour de Flönz 2022 – Etappe 7

Für eine Handvoll Ozon

Ein weiterer Tag startet mit einem Regenschauer. Tiefer in den Hochpyrenäen toben sich letzte Gewitter aus. Ungewöhnlich, denn wie bei uns gewittert es in Bagnères-de-Bigorre eigentlich eher nachmittags.

Die Ausfahrt in die Hochpyrenäen wird verschoben. Plan B ist vorbereitet. Eine Tour durch das anspruchsvolle Vorland der Pyrenäen. Keine Erholungspausen. Anstiege folgen direkt auf Abfahrten. Ebene Passagen sind Mangelware. Rund um die Gemeinde Capvern werde ich mit einem Anstieg und einer Abfahrt aus Rollsplitt begrüßt. Beides wahrlich kein Genuss und insbesondere abwärts in den Kurven gefährlich. Bergauf gilt es nur im Sattel zu bleiben, damit – wie bei La Super Planche des Belles Filles – das Hinterrad nicht durchdreht. 

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Tour de Flönz 2022 – Etappe 6

Hourquette d‘Ancizan und der Col d‘Aspin

In der Nacht hat es kräftig geregnet. Der Morgen ist trüb. Den Plan, eine große Runde inklusive Col du Tourmalet zu fahren, muss ich verwerfen. Zu kurz ist die Zeitspanne zwischen trockenen Straßen und angekündigten Gewittern am Nachmittag. Jeder, der im Hochgebirge mal in ein Unwetter geraten ist, weiß, wie riskant das auf einem Rennrad auf einem Pass sein kann.

Kurzerhand wird eine abgespeckte Tour gebastelt. Ab Bagnières-de-Bigorre habe ich die Qual der Wahl. Der Col d‘Aspin, der Col du Tourmalet und die Hourquette d‘Ancizan sind allesamt in Schlagdistanz. Das Hütchenspiel entscheidet. Ich starte mit der Hourquette d‘Ancizan. Eine gute Stunde bin ich durch das Campan-Tal bis zum Beginn der Steigung unterwegs. Inzwischen habe ich Bilderbuchwetter. Familien sitzen an kleinen Bächen mit glasklarem Wasser und picknicken. Nadelwald links und rechts auf den ersten Kilometern. Gerade Nadelwald wirkt auf mich bei langen Anstiegen immer besonders beruhigend. Auch den dortigen Schatten nehme ich gerne in Anspruch. Der Wald lichtet sich und ein traumhaftes Tal präsentiert sich in saftigem Grün, der Wildbach weiterhin rechts von mir. Die Hourquette d‘Ancizan entpuppt sich als wahres Juwel unter den Pässen. 

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Tour de Flönz 2022 – Etappe 5

Waden-Püree

Das Quartier in den Pyrenäen ist bezogen. Der Kurort Bagnières-de-Bigorre wird für die kommenden Wochen die zweite Heimat. Mit knapp 7500 Einwohnern und deutlich weniger Touristen als im benachbarten Wallfahrtsort Lourdes ist es die ideale Basis für Ausfahrten in die Hochpyrenäen. 

Standesgemäß liegt die Unterkunft am Fuße eines kleinen Passes, dem Col des Palomières (810 m). Der steht auch gleich am Start der ersten Ausfahrt auf dem Programm und gibt bei herrlichem Wetter den Blick frei auf das Pyrenäen-Vorland. Es folgen winzige Bergdörfer, die durch gut befahrbare Wirtschaftswege verbunden sind. Ein letzter Anstieg auf den Col de Coupé (720 m), und das Nachbartal ist erreicht. Über die Hauptstraße des Vallèe d’Aure erreiche ich Arreau, ein hübsches Dorf mit einigen Restaurants und Cafés. Besonders sehenswert ist das alte Rathaus. 

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Tour de Flönz 2022 – Etappe 4

Ein Lob für den Lot

Eine vierköpfige Familie fährt mit dem Kleinwagen langsam an mir vorbei. Alle brüllen „Courage!“ Der Vater am Steuer hebt den Daumen aus dem Fenster. Anfeuern statt stänkern. Ich muss an den Fahrer vor drei Wochen hinter Grevenbroich denken, der mich hupend mit 50 Zentimeter Abstand überholte und an der nächsten Ampel was von Zollstock faselte.

In Frankreich hat die Nation Respekt vor Radfahrern und baut lieber Kreisverkehre statt Ampeln. Ich bin bereits am letzten Anstieg und passiere ein Feld, auf dem die Sonnenblumen die Köpfe hängen lassen, als würden sie auf dem Boden nach Wasser suchen. Brütend heiß ist es geworden. Das Thermometer knackt die 35 Grad. Gestartet war ich bei 25. Ich will schnell zurück in den Fahrradstall. 

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Tour de Flönz 2022 – Etappe 3

Alles im Lot, nichts am Limit

Die Auvergne war nur Zwischenstation auf dem Weg in den Süden Frankreichs. Im Gegensatz zur Stadt Issoire habe ich kein konkretes Ziel. 

Weinenden Auges blicke ich im Rückspiegel auf die Monts du Cantal. die mit einem Kreis von zirka 80 km Durchmesser als größter Stratovulkan Europas eingeordnet wurden. „Grand Site de France“ stand gerade auf dem braunen Schild am Straßenrand. „En bonne condition“ fehlt auf der Tafel nach meiner Trainingspause im Juli. Es geht weiter. Innerlich sieht es für einen kurzen Moment explosiv aus. 

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Tour de Flönz 2022 – Etappe 2

Auvergne – Liebe auf den zweiten Blick

2015 lag im Juni ein Regengebiet über nahezu ganz Frankreich.

Wir waren an der Ardeche. Ein Unwetter zog auf. Der Regen blieb tagelang. Der erste Besuch der Auvergne war also eher unfreiwillig. Es war die einzige Region Frankreichs, in der zumindest Hoffnung auf Regenpausen bestand. Leider gab es dort aber auch Crepes mit Innereien-Wurst und anschließend nicht unerhebliche gesundheitliche Probleme zusätzlich zum Niederschlag. Regen, erbrochen und abgebrochen. Urlaub 2015 in drei Worten zusammengefasst.

2022 hat die Auvergne also etwas gutzumachen.

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Tour de Flönz 2022 – Etappe 1

Auf die Fresse, fertig, los!

Die Tour de France der Herren ist Geschichte. Die „Tour de France Femmes“ ist auf den gelben Schildern am Straßenrand bereits für das kommende Wochenende angekündigt. Erneut Straßensperren. Wer in Frankreich kein Herz für Radsportler hat, dürfte dieser Tage einen schweren Stand haben.

Ich bin auf dem Weg in die Pyrenäen. Die Vogesen liegen zwar nicht auf dem kürzesten Weg, La Planche des Belles Filles fehlt aber noch auf meiner To-Do-Liste. Und in Dänemark wollte ich meine Reise beim besten Willen nicht beginnen.

Mein Campingplatz kostet pro Nacht so viel wie ein Cappuccino mit Kuchen in einer durchschnittlichen Düsseldorfer Bäckerei. Herzlich Willkommen in Fresse im Département Haute-Saône am Rande der Vogesen. Ein Mini-Supermarkt. zwei kleine Campingplätze, eine historische Kirche und viel Ruhe. Mehr gibt es nicht zu erzählen über das 710 Einwohner zählende Dorf. Vermutlich sind diesen Monat mehr Rennradfahrer als Autos durch die Ortschaft gefahren, denn die Tour de France kam auch durch.

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