Mit dem Rad ein Stück durch die Nullarbor Wüste

Ampeln Strampeln
km Hm

Wie fühlt es sich eigentlich an, 93 Kilometer mit dem Rad durch eine monotone Landschaft auf dem fast kurvenlosen Eyre Highway zu fahren? Ich teste das heute an der Grenze zwischen Südaustralien und Westaustralien. Die nächsten richtigen Orte liegen 500 km östlich (Ceduna) und 725 km westlich (Norseman).

Bis zur nächsten Kurve

Kurz nach 8 Uhr ist Abfahrt. An der Grenze nach 17 km zeige ich meine 2 Energieriegel und werde durchgewunken. Radfahrer sieht der Zollbeamte wohl auch nicht jeden Tag in der Nullarbor Wüste. 33 Minuten gefahren und 1 Std 45 min Zeitgutschrift durch Wechsel der Zeitzone auf “Western Time.” Jetzt ist es also zirka 7 Uhr morgens. Ich bilde mir ein, dass sich die Luft auch gleich kühler anfühlt. Heute sind 43 Grad vorhergesagt, am frühen Morgen sind es maximal 25 Grad. Ideale Bedingungen. Vor der Hitze will ich fertig sein.

Der Wind war meine größte Sorge, doch ich werde von leichtem Rückenwind getragen und komme mit 33 km/h im Schnitt voran. Meine Frau lenkt das Wohnmobil und fährt zeitversetzt los? Kommt sie beim Zoll gut durch? Tut Sie und überholt mich irgendwann. 

Steffi taucht auf. Zumindest sieht es so aus. Ein winziger schwarzer Fleck am Horizont. Aber dann sähe man doch das Wohnmobil zuerst!? Der schwarze Punkt wird größer. Eine Fata Morgana? Ein geparktes Motorrad? Steffi mit dem Fotoapparat im Anschlag? 

Tatsächlich ein anderer Radfahrer hier mitten in der Einöde. Es ist Simon. 53 Jahre alt. Ex-Marine & Ex-Polizist aus England. Seit Sommer Rentner – dessen Zeit hätte ich auch gerne – und mit dem Fahrrad auf Weltreise. Rad und Taschen wiegen zusammen 60 Kilo. Wenn nicht gerade einer der seltenen Trucks anrauscht, radeln und quatschen wir nebeneinander 25 Kilometer bis zum gemeinsamen Ziel, dem Mundrabilla-Roadhouse, wo Steffi mit dem Wohnmobil wartet. Simon wird hier über Nacht bleiben. Er will mir mailen, wenn er im Frühsommer Süddeutschland erreicht. Hat er dann aber leider doch nicht. Hoffentlich ist er gut durchgekommen. 

Die nächsten zirka 500 km fahren wir auf vier Rädern in den Sonnenuntergang. Dabei meistert meine Frau die längste schnurgerade Strecke Australiens (146,6 km). Wenn ich das gewusst hätte. Wäre bestimmt auch auf zwei Rädern eine irre Erfahrung gewesen.

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