Tour de Flönz 2022 – Etappe 8

Wo ist der „Géant du Tourmalet?“

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Abfahrt um 7.24 Uhr.

Der kühle Morgen mit moderaten Temperaturen bis zur Mittagszeit ist ein guter Grund für eine größere Runde. 

Nicht weniger als der Col du Tourmalet steht auf dem Programm. Keine andere Passstraße wurde im Programm der Tour de France häufiger überquert. Bis heute über 80 Mal. Es fing im Jahr 1910 alles an. Der Luxemburger Alphonse Steinès telegraphierte damals an Henri Desgrange: „Bin gut über den Tourmalet gekommen. Stop. Straße in gutem Zustand. Stop. Keine Schwierigkeiten für die Fahrer.“ In Wahrheit war es damals nicht mehr als ein Pfad, der über die Passhöhe führte. Es lebten zudem Bären in den Pyrenäen. 

Wer weiß, wann der Hochgebirgspass ohne diese Nachricht in das Programm der Tour de France aufgenommen worden wäre. Sicherlich hätte man 1913 nicht erlebt, wie Eugène Christophe mit einer gebrochenen Fahrradgabel nach Sainte-Marie-de-Campan marschierte und sie in einer Schmiede reparierte. Genau in diesem Ort biege ich von der Talstraße nach rechts ab und der Anstieg beginnt. Ein paar Zahlen: Länge 17,1 km, 1270 Höhenmeter, 7,4 % durchschnittliche Steigung. 

Das Tal liegt noch einige Minuten im Schatten, ehe die Sonne es über die Bergkuppe schafft. Obwohl es noch früh ist, sind bereits zahlreiche Autofahrer unterwegs. Der Col du Tourmalet hat das Problem, dass im Skiort La Mongie unterhalb des Passes eine Seilbahn beheimatet ist, die Touristen auf den höchsten Berg der Umgebung, dem Pic du Midi de Bigorre bringt. Ansonsten ist der Skiort schmucklos, wie ich wenig später feststellen muss, nach dem ich mich durch Wald und einige halboffene Tunnel gekämpft habe. Ich bin schon auf 1800 Metern Höhe und vor mir liegen noch die schönsten 4 Kilometer oberhalb der Baumgrenze. Schöne Ausblicke sind garantiert.

Die Passhöhe auf 2115 Metern erreiche ich nach 83 Minuten. Erwartet habe ich eigentlich den Anblick der Statue „Géant du Tourmalet“, einer Skulptur in Gedenken an die erstmalige Überquerung im Rahmen der Tour de France 2010. Begrüßt werde ich stattdessen von einer Herde Alpakas und Bauarbeitern, die an einem neuen Gebäude werkeln. Die Skulptur fehlt. 

Über die Ostseite des Passes filme ich meine Abfahrt nach Luz-Saint-Saveur. Es ist 10.30 Uhr und die Autos stauen sich im Dörfchen, also schnell weiter. Über einen tollen Radweg steuere ich auf Lourdes zu, biege aber vorher in ein wunderschönes Hochtal ab. Die Straße folgt einem wilden Bachlauf und durchquert einige winzige Dörfer. Ein echtes Highlight. Ich lasse es mir nicht nehmen, mich kurz im Bach abzukühlen. Es folgt der letzte Anstieg des Tages auf knapp 900 Meter Höhe. Die Sonne hat inzwischen reichlich Kraft. Meine Wasserflaschen geht der Inhalt aus. Ich werde den Wasserhahn an der Kirche von Germs immer in guter Erinnerung behalten.

Und wo steht der „Géant du Tourmalet“ nun? Den habe ich im Nachbardorf Gerde auf der Wiese vor einem Hotel gefunden. Wohl wegen der Bauarbeiten auf dem Pass. Ich werde mich um mehr Informationen bemühen. 

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