Nizza – Freiburg

07.09.2015 – 12.09.2015

Höchster Punkt auf der Route des Grands Alpes

In 6 Tagen von Nizza bis Freiburg auf der Route des Grands Alpes? Wer sich das von Euch gleich gefragt hat, kennt sich aus. Das hat natürlich nicht geklappt und war auch nicht geplant, aber eins nach dem anderen…

Streik bei meiner Fluggesellschaft. Ich lande zwei Stunden verspätet in Nizza. Rad auspacken, zusammenbauen, Packtaschen montieren und den Pappkarton unauffällig an einer Mülltonne entsorgen. Der Zeitplan für den ersten Tag ist gleich über den Haufen geworfen. 17 Uhr Abfahrt. Ich versuche, vor Beginn der Dämmerung so weit wie möglich entlang des Flusses Var ins Hinterland vorzudringen. Ein entspannter Start sieht anders aus. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit finde ich gerade noch eine ziemlich schlichte Unterkunft. 43 km. 325 hm. 1 Std. 46 min. 

Am kommenden Morgen schnalle ich die beiden Packtaschen an meinen Cyclocrosser, esse das lustlos angerichtete Frühstück und starte nach ein paar Zigaretten (Ja, da war ich noch Raucher) in Richtung Col de la Bonette (2.715 m). 
Bis zur Passhöhe kennt die Straße kein Erbarmen. Schon gestern ging es vom Meer in die Seealpen langsam stetig bergauf. Bis Saint-Etienne-de-Tinée bietet sich heute das gleiche Bild. Vor der Passhöhe wird es keine Verschnaufpause mehr geben. Vielmehr wird der Abschnitt ab dem Dorf, in dem ich mir am späten Vormittag noch eine Pasta gönne, der härteste. Die Taschen, in denen ich meine Camping-Ausrüstung transportiere, drosseln das Tempo massiv. Ich würde sie zu gern am Straßenrand stehen lassen. Über 10 km/h? Nicht mit Gepäck. Ein paar Kilometer vor der Passhöhe streiken dann auch die Waden. Krämpfe zwingen mich zu Pausen. Mit letzter Kraft schaffe ich es bis oben, wo ich kurz ein Foto schieße. Tolle Idee, mit Gepäck durch die französischen Alpen zu radeln. Und gleich noch das Zelt aufbauen? Hölle! Aber erst mal irgendwie durch die ganzen Schafe auf der Abfahrt manövrieren. 100 km, 2.490 hm, 6 Std. 32 min. 

Tag 3 beginnt in Barcelonnette. Ein ideales kleines Wintersport-Städtchen im Ubaye-Tal. Ruhetag. Durchrechnen, ob ich mir das jetzt schon erlauben kann. Es kommen ja noch ein paar Alpenpässe. Zweifel kommen auf. Ist der Plan doch zu ambitioniert? Ich prüfe den Wetterbericht: 3 Tage Dauerregen auf dem Weg nach Norden, trocken dagegen in Castellane und an der Cote d’Azur. Danke Petrus. Ich buche gleich einen Mietwagen in Nizza. Abbruch, aber ein 2000er-Pass wartet noch. Der Col d’Allos. Ein kleines Juwel. An Tag 4 schüttet es wie aus Eimern. Nachts und den ganzen Vormittag. Das bedeutet einen ungewollten zweiten Ruhetag und spätestens jetzt die Erkenntnis, dass ich alles richtig entschieden habe. Nach einer weiteren Nacht verlasse ich Barcelonnette und steuere über den Col d’Allos nach Castellane, dem Tor zur Verdon-Schlucht. Die Fahrt wirkt gefühlt länger bei Gegenwind im Tal. 

Nach 92 km, 1.313 hm und 4 Std. 43 min gönne ich mir eine große Pizza bei MacToff, meiner Lieblingspizzeria im Ort.

Nach einer Nacht auf dem Campingplatz Frederic Mistral beginnt die letzte Etappe nach Nizza. Zwar warten gleich zu Beginn noch mal 2 Pässe von knapp 1.000 m, aber ein Großteil der Strecke führt mich zurück bis auf Höhe des Meeresspiegels. Unterwegs treffe ich ein nettes deutsches Pärchen aus Aachen, ebenfalls mit bepackten Rädern. Ich drossele das Tempo und wir fahren gemeinsam. Ein netter Abschluss. 91 km, 1.223 hm, 3 Std 40 min. Mit dem Mietwagen geht es am Nachmittag gleich weiter, natürlich zurück in die Berge. Freiburg wartet. Schließlich habe ich ein reserviertes Zugticket für den 19. September. Geplant waren nämlich tatsächlich 13 Tage. Eine tolle Erfahrung war sie dennoch, die kleine Schleife durch die südlichen französischen Alpen. Und auch die anschließende Woche mit Auto und Rad hatte noch ein paar tolle Eindrücke zu bieten.

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