Düsseldorfer Pop-Up-Helling

Gestatten, Eduard mein Name. Mitarbeiter im Verkehrsamt. Freunde und Kollegen nennen mich in Anlehnung an die belgische Radsport-Legende liebevoll Eddy. Auch ich möchte zur Legende werden. Mein Chef lobt mich gerne als Visionär, Freigeist und Brückenbauer zwischen den Interessengruppen im Straßenverkehr. Apropos Brücken:

Ich stand am Wochenende am Koppenberg (79 m), einem dieser giftigen Hügel bei der Flandern-Rundfahrt. Dort sagt man „Helling“, was wörtlich übersetzt Hang oder Neigung bedeutet. Mit Blick auf das grobe Kopfsteinpflaster ist eine Ableitung von „Hölle“ wahrscheinlich auch vertretbar, besonders bei Nässe. 

Ein Geistesblitz traf mich. Ich konnte mich kaum noch auf das Führungsduo van der Poel und Pogacar konzentrieren, als sie an mir vorbeifuhren. Die Idee der „Helling von Düsseldorf“, der „Wand am Medienhafen“ war geboren. Wenn sich in den Burgplatz schon keine Steigung von über 10 Prozent integrieren lässt, dann holen wir uns einen Frühjahrsklassiker auf anderen Wegen nach Düsseldorf.

In den Sinn kam mir die Fußgängerbrücke am Medienhafen, war Sie doch bis 2018 für Radfahrer befahrbar. Damals berichtete eine regionale Tageszeitung über „Drängelgitter“ und Hinweisschilder. Die Empörung war enorm. Zeit für neue Aufregung. Schließlich passen meine Visionen perfekt zum inzwischen viel umsichtigeren und regelbewussteren Fahrstil der Landeshauptstädter. Weg mit den Drängelgittern, Bahn frei für die „Helling aller Hellingen.“ Stolze 8 % Steigung. Umgekehrt bedeutet es 8 % Gefälle und dokumentiert gleichzeitig die statistische Wahrscheinlichkeit, einen Fußgänger bei 50 km/h umzunieten. Ich habe wirklich nichts übersehen. Mein Chef war begeistert. Binnen 48 Stunden wurden die Gitter entsorgt. Einfach im Rhein versenkt, aber Pssst…, nicht verraten! Nur das Kopfsteinpflaster wurde nicht genehmigt. Es würde das Tempo der Radfahrer bergab zu sehr drosseln, meinte mein Chef. Ein kluger Kopf.

Für die andere Seite der Brücke stecken wir noch in den Planungen. Da werden die Räder vorerst weiter geschoben. Da dort bereits drei Gitter stehen, wäre meine Idee, drei weitere einzubauen. Ein Geschicklichkeitskurs für Radfahrer.

Auch die Holzplanken oben auf dem Mittelteil der Brücke bleiben für Radfahrer bei Nässe ein erhebliches Unfallrisiko. Auch dort ist weiter absteigen angesagt. Aber wer schiebt nicht gerne für 50 Meter Geschwindigkeitsrausch. Vielleicht darf ich wenigstens dort schmieriges, unfallträchtiges Kopfsteinpflaster verlegen und fertig wäre der Albtraum jedes Unfallversicherers. 

Das STRAVA-Segment ist auch schon erstellt: „Merckx Du, wie schnell Du bist???“ Also, nix wie hin, Ihr lokalen Legenden und Könige der Berge. Der erste, der mit 100 km/h am Landtag die Fassade küsst, bekommt eine Luftpumpe in Fernsehturm-Optik. 

Euer Verwaltungs-Eddy

(Ähnlichkeiten oder Namensverwandtschaften mit lebenden oder nicht mehr lebenden Personen sind rein zufällig. Bei “Eddy” handelt es sich um eine fiktive Figur.)

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