Pyrenäen mit dem Rennrad – Etappe 4 (Die Anfahrt)

Ein Lob für den Lot

Eine vierköpfige Familie fährt mit dem Kleinwagen langsam an mir vorbei. Alle brüllen „Courage!“ Der Vater am Steuer hebt den Daumen aus dem Fenster. Anfeuern statt stänkern. Ich muss an den Fahrer vor drei Wochen hinter Grevenbroich denken, der mich hupend mit 50 Zentimeter Abstand überholte und an der nächsten Ampel was von Zollstock faselte.

In Frankreich hat die Nation Respekt vor Radfahrern und baut lieber Kreisverkehre statt Ampeln. Ich bin bereits am letzten Anstieg und passiere ein Feld, auf dem die Sonnenblumen die Köpfe hängen lassen, als würden sie auf dem Boden nach Wasser suchen. Brütend heiß ist es geworden. Das Thermometer knackt die 35 Grad. Gestartet war ich bei 25. Ich will schnell zurück in den Fahrradstall. 

Um 9 Uhr stand die zweite Tour im Lot-Tal auf dem Programm. Im Gegensatz zum Vortag folgte ich dem Flusslauf weniger und nahm stattdessen die Hügel in Angriff. Ein stetiges Auf und Ab. Erinnerungen an die Ruhr sind nicht unbegründet. Die 40-50 cm großen Fische sind von den Brücken mit bloßem Auge zu erkennen. Ein Paradies für Angler. Natur pur. 

Einzig Capdenac verdient neben Figeac den Status Stadt. In Letzterer rolle ich pünktlich für die „Plat du jour“ um 13 Uhr ein. Der mitfühlend lächelnde Kellner im italienischen Restaurant hat die kalte Flasche Wasser schon zur Hand. Für hungrige Radsportler findet sich immer ein Plätzchen. Das Rad darf sich derweil im Schatten des mittelalterlichen Hauses gegenüber abkühlen. 

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