“Les 3 cols” im Nationalpark Mercantour

Ein strahlend blauer Himmel begrüßt den Tag auf dem Camping des Rouges Gorges unweit des Dorfes Guillaumes (636 Einwohner). Ich befinde mich in den Alpes Maritimes 90 Autominuten von Nizza entfernt. Der Campingplatz ist nach der benachbarten Daluis-Schlucht benannt, die mit Ihren roten Felsen eher an den Wilden Westen erinnert, nicht aber an die französischen Alpen. Das Gebirge wächst ab hier kräftig in die Höhe. Die ersten 2000er wollen überwunden werden. Und genau deshalb bin ich hier, südlich der Alpenpässe Col des Champs, Col d’Allos und Col de la Cayolle. Alljährlich veranstaltet der Club Cycliste de l’Ubaye in Barcelonnette nördlich der Pässe die knüppelharte Ausfahrt “Les 3 cols.” Daran nehme ich nicht teil, denn Guillaumes liegt südlich der Pässe, aber das Ziel ist identisch.

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Dolomites Bike Day

92 Kilometer durch die atemberaubende Kulisse der Dolomiten, davon 51 km als autofreier Rundkurs. Da schlägt jedes Radfahrerherz höher. Wolkenstein in Gröden morgens um 8.40 Uhr. Noch ist nichts davon zu spüren, dass ich gleich im benachbarten Corvara auf viele der 8.000 Teilnehmer des 3. Dolomites Bike Day treffen werde.

Drei Pässe (Campolongo, Falzarego und Valparola) stehen auf dem Programm. Mit dem Grödner Joch jeweils auf Hin- und Rückfahrt kommen noch zwei weitere knackige Bergwertungen hinzu. Da die Täler bereits alle auf zirka 1.500 m ü. NN liegen, sind die Pässe eine machbare Aufgabe. Dennoch lassen sich insgesamt 2.629 Höhenmeter sammeln. Heute spielt es keine Rolle, ob mit Mountainbike oder Rennrad, Gravelbike oder Hochrad (kein Witz) gefahren wird. Letzteren Radfahrer mit historischem Gefährt treffe ich am Campolongo. Er hat etwas Mühe, die Steigung im Zickzack-Kurs zu bewältigen. Aber das Foto in der morgigen Tageszeitung ist ihm gewiss. Ohne Mühe schlucke ich noch ein paar ambitionierte Familienväter, die sich mit ihrer Brut im Anhänger den Berg hinauf quälen, während mich von links ein braungebrannter Italiener mit Waden wie dicke Keulen alt aussehen lässt.

Auf Geschwindigkeit kommt es heute irgendwie nicht an. Vielleicht ein kleines bisschen am Anstieg. Aber das Knacken der Schaltungen, der Rhythmus der Atmung und das leise Sirren der Ketten ist neben der einzigartigen Bergkulisse das, was den autofreien Tag zu einem besonderen Erlebnis werden lässt. Verflogen sind die Gedanken an die unzähligen Motorradgruppen, die mich an den Vortagen im Minutentakt überholten und selbst den Einheimischen inzwischen ein Dorn im Auge geworden sind. Kurz vor Corvara wagt es eine Schlange ein Stück vor mir über die Straße und schnappt nach dem Reifen einer überraschten Teilnehmerin. Ich weiche bei 65 km/h aus und erblicke das Ortsschild von Corvara. Schade, schon wieder am Startpunkt angekommen. Aber nach einem Eisbecher und zwei alkoholfreien Weizen wartet ja noch das Grödner Joch von der schwierigeren Seite.

Col de Turini (1.607 m)

Blick auf Luceram

1.607 Meter. Der Col de Turini wirkt auf dem Papier wie der kleine Bruder der berühmten französischen Alpenpässe Col de Galibier, Izoard oder Bonette. Und doch ist er nicht zu unterschätzen, wenn man bedenkt, dass die heutige Fahrt auf Höhe des Meeresspiegels in Nizza startet. 1.607 Höhenmeter. Das entspricht der Höhendifferenz am Mont Ventoux ab Bedoin. Und mit 7,3 % durchschnittlicher Steigung auf den letzten 15 Kilometern wird den Beinen früh im Jahr viel abverlangt. Es ist ein Härtetest. Es ist April. Wie effizient war das Wintertraining? Der Col de Turini wird Antworten liefern. Und mehr. Es wird vielmehr eine denkwürdige Ausfahrt. Aber seht und lest selbst:

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Auf den Spuren der Profis

Der Touristenort Cala Millor gleicht im Januar einer Geisterstadt. Verwaiste Hotels und ein toter Wal am Strand, der kaum Schaulustige anzieht. Mallorca im Winter. Wolldecke statt Klimaanlage. Fleece statt Shorts. Ein Rennradfahrer auf der Suche nach der Mandelblüte:

Emanuel Buchmann und Team BORA – hansgrohe

Hier und da trifft man auf ein paar überwinternde Senioren. Wenige Geschäfte haben geöffnet. Meist sind die Rollläden heruntergelassen. Cala Millor ist weder im Winter noch Sommer eine Augenweide.

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Gran Fondo Mont Ventoux

Welcher Radsportler kennt ihn nicht, den Giganten der Provence? Der Berg, an dem die Tour de France Geschichte schrieb, den Tom Simpson am 13.07.1967 während einer Etappe tragischerweise nicht überlebte und Chris Froome fast 50 Jahre später nach einem Sturz hoch joggte. Romain Bardet, der französische Profi hält laut Strava aktuell die Bestzeit mit unter einer Stunde. 21,2 Kilometer pure Quälerei bis auf 1.909 m Höhe. 

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Mit dem Rad ein Stück durch die Nullarbor Wüste

Wie fühlt es sich eigentlich an, 93 Kilometer mit dem Rad durch eine monotone Landschaft auf dem fast kurvenlosen Eyre Highway zu fahren? Ich teste das heute an der Grenze zwischen Südaustralien und Westaustralien. Die nächsten richtigen Orte liegen 500 km östlich (Ceduna) und 725 km westlich (Norseman).

Bis zur nächsten Kurve

Kurz nach 8 Uhr ist Abfahrt. An der Grenze nach 17 km zeige ich meine 2 Energieriegel und werde durchgewunken. Radfahrer sieht der Zollbeamte wohl auch nicht jeden Tag in der Nullarbor Wüste. 33 Minuten gefahren und 1 Std 45 min Zeitgutschrift durch Wechsel der Zeitzone auf “Western Time.” Jetzt ist es also zirka 7 Uhr morgens. Ich bilde mir ein, dass sich die Luft auch gleich kühler anfühlt. Heute sind 43 Grad vorhergesagt, am frühen Morgen sind es maximal 25 Grad. Ideale Bedingungen. Vor der Hitze will ich fertig sein.

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Abel Tasman Cycle Challenge

Neuseeland im November 2017. Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker. Das Radrennen beginnt bereits um 7 Uhr. Die Begeisterung hält sich auf dem Weg zur Veranstaltung bei frischen 12 Grad in Grenzen. Zumindest nehme ich ein bisschen Stolz mit. Erster deutscher Teilnehmer überhaupt im 2. Jahr der Veranstaltung. Einziger Europäer dieses Jahr im Starterfeld. 

Auf den obligatorischen Smalltalk mit anderen Fahrern wird mehr oder weniger verzichtet. Ich komme mit den sonderbaren neuseeländischen Akzenten einfach nicht klar. Mein Rad senkt den Durchschnittspreis der High-End-Geräte erheblich. Wahnsinn, was die Kiwis hier für hochpreisige Rennräder auffahren. Passend wurde das Urlaubsrad – allein schon wegen der Farbe – “Die Möhre” getauft.

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